Lehmziegel & Lehmsteine: Mauern mit dem ältesten Stein der Welt

Der wichtigste Baustein eines Speicherofens ist der, den niemand je zu sehen bekommt. Hinter Kacheln und Putz stehen Lehmsteine, ummauern die Züge und tragen die Sitzbank. Sie machen aus einem Feuer, das zwei Stunden brennt, einen Tag Wärme. Und sie sind der Grund, warum ein sechzig Jahre alter Kachelofen heute noch zu retten ist.

Wer sich für Lehmziegel interessiert, landet meist bei Fassaden und tragenden Wänden. Der interessantere Teil steckt im Ofen. Beides steht hier.

Lehmziegel, Lehmstein, Grünling

Lehmsteine, umgangssprachlich Lehmziegel, sind geformte und ausschließlich luftgetrocknete Steine. International heißen sie Adobe. Der Grünling ist der noch ungebrannte Rohling in der Ziegelei.

Wo die Grenze zwischen Lehm und Ton verläuft, klärt Lehm und Ton im Vergleich. Der Brand trennt zwei Welten. Gebrannte Ziegel werden über 900 Grad keramisch verfestigt, sind hart und wasserfest und lassen sich am Ende ihres Lebens nur noch schottern. Der ungebrannte Lehmstein bleibt ein Kreislaufprodukt: einweichen, neu formen, wieder verbauen. Die älteste bekannte Ausführung stammt aus Jericho und ist rund zehntausend Jahre alt.

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Was Lehmsteine leisten

  • Wärmespeicherung. Rohdichten bis 2.200 Kilogramm pro Kubikmeter machen sie zum Speichermaterial erster Wahl. Im Ofen ist genau das ihre Aufgabe, im Haus dämpfen sie sommerliche Hitzewellen.
  • Schallschutz. Masse dämmt Schall. Lehmstein-Innenwände sind spürbar leiser als Ständerwände, was im Holzbau ein ernsthaftes Argument ist.
  • Feuchteregulierung. Wie alle Lehmbaustoffe puffern sie Raumfeuchte.
  • Normung. Produktnorm DIN 18945, tragendes Mauerwerk nach DIN 18940 seit 2023 bis Gebäudeklasse 4.
  • Grenzen. Nicht wasserfest, geringere Druckfestigkeit als gebrannter Ziegel, Sockel- und Wetterschutz zwingend.

Formate und Rohdichteklassen

Die Formate entsprechen dem üblichen Mauerwerksbau, vom Normalformat bis zu großformatigen Blöcken. Wichtiger ist die Rohdichteklasse, denn sie entscheidet über die Eigenschaft, wegen der man Lehmsteine überhaupt einsetzt.

Schwere Steine ab etwa 1.800 Kilogramm pro Kubikmeter liefern Speichermasse und Schallschutz. Leichtlehmsteine mit Stroh- oder Holzzuschlägen liegen deutlich darunter, dämmen dafür und tragen weniger. Für Ofenmassen und Innenwände nehmen Sie die schweren, für dämmende Ausfachungen die leichten. Wer das verwechselt, bekommt entweder eine kalte Wand oder eine, die keine Wärme hält.

Mauern mit Lehmsteinen

Vermauert wird mit Lehmmörtel, nie mit Zement. Der Grund ist derselbe wie im Ofenbau: Zement ist zu hart, zu dicht und macht die Konstruktion unumkehrbar. Ein Lehmstein in Zementmörtel ist am Ende Abfall, ein Lehmstein in Lehmmörtel ist wieder ein Lehmstein.

Die Fugen bleiben schlank bei 10 bis 15 Millimetern, gearbeitet wird im Verband, die Steine werden vor dem Versetzen leicht angefeuchtet, sonst ziehen sie dem Mörtel das Wasser aus. Als Oberfläche bietet sich Lehmputz an, dann arbeiten Stein, Mörtel und Putz gleich. Wo tragendes Lehmsteinmauerwerk heute gebaut wird, zeigt der Beitrag Lehmhaus. Bezugsquellen nennt Lehm kaufen.

Warum alte Kachelöfen überleben

Hier zahlt sich die Bauweise auf eine Art aus, die keine Fassade je zeigt. Ein in Lehm gesetzter Ofen lässt sich öffnen. Die Fugen weichen mit Wasser auf, Kacheln kommen unbeschädigt heraus, Züge und Speichersteine werden erneuert, alles geht wieder zusammen. Ein zementierter Ofen lässt sich nur abbrechen.

Deshalb ist der Satz, ein Ofen sei für ein Leben lang geschaffen, im Lehmbau keine Werbung, sondern eine Materialeigenschaft. Thomas Widmer wartet bis heute den ersten Ofen, den sein Großvater nach der Gründung 1951 gesetzt hat. Wenn bei Ihnen ein alter Kachelofen steht und jemand zum Abriss rät, lohnt vorher ein Blick, siehe Ofensanierung. Wie Speichermasse im Ofen grundsätzlich funktioniert, erklärt der Lehmofen-Ratgeber.

Lehmsteine selbst herstellen

Das Adobe-Prinzip funktioniert unverändert. Fetten Lehm mit Sand und gehäckseltem Stroh mischen, in geölte Holzformen schlagen, ausformen, mehrere Wochen luftgeschützt trocknen. Entscheidend sind die ersten Tage: direkte Sonne und Regen fernhalten, sonst reißt die Oberfläche, bevor der Kern trocken ist.

Für ganze Wände ist das Geduldsarbeit. Für einen Sockel, eine Ofenummantelung im Trockenen oder eine Gartenmauer unter Dach lohnt es. Die passenden Mischungstests stehen in der Bauanleitung.

Häufige Fragen zu Lehmziegeln

Was ist der Unterschied zwischen Lehmziegel und Ziegel?

Der Brand. Lehmsteine sind luftgetrocknet und bleiben mit Wasser beliebig oft wiederverwendbar. Gebrannte Ziegel sind keramisch verfestigt, härter und wasserfest, kosten dafür viel Herstellungsenergie und lassen sich nicht zurückführen.

Sind Lehmsteine tragfähig?

Ja, die DIN 18940 regelt tragendes Lehmsteinmauerwerk bis Gebäudeklasse 4. Voraussetzung ist konstruktiver Feuchteschutz, denn nass darf eine tragende Lehmwand nicht werden.

Was kosten Lehmsteine?

Je nach Format und Rohdichte etwa 1 bis 3 Euro pro Stein zuzüglich Fracht. Bei schweren Steinen ist der Transport ein relevanter Anteil, weshalb sich regionale Bezugsquellen doppelt lohnen.

Womit vermauert man Lehmsteine?

Mit Lehmmörtel, selbst gemischt aus fettem Lehm und Sand oder als Fertigware. Zement zerstört die Rückbaubarkeit und arbeitet anders als der Stein, was zu Rissen in der Fuge führt.

Wie schwer ist ein Lehmstein?

Ein Normalformat wiegt je nach Rohdichte etwa 3 bis 5 Kilogramm, deutlich mehr als ein vergleichbarer Hochlochziegel. Genau dieses Gewicht ist im Ofen die gewünschte Eigenschaft.

Masse ist der halbe Ofen

Ein Lehmstein in einer Innenwand dämpft Schall und Hitze. Derselbe Stein hinter einer Ofenkachel macht aus einem Abbrand einen Tag Wärme. Gleiches Material, andere Aufgabe. Wo Lehmsteine im größeren Zusammenhang stehen, zeigt der Lehmbau-Ratgeber. Was daraus im Wohnraum wird, steht unter Lehmofen im Wohnzimmer, die gebauten Varianten unter Speicheröfen.