Lehmofen selber bauen: Die Schritt-für-Schritt-Anleitung

Nehmen Sie eine Handvoll angefeuchteten Lehm, formen Sie eine Kugel von der Größe eines Apfels und lassen Sie sie aus Hüfthöhe auf ein Brett fallen. Was jetzt passiert, entscheidet über Ihren Ofen. Zerfällt die Kugel krümelig, ist zu viel Sand drin. Klatscht sie als Fladen auseinander und klebt am Brett, ist zu viel Ton drin. Bleibt sie liegen, leicht eingedellt, ohne Risse: Sie können anfangen.

Diese Probe kostet zwei Minuten und erspart die häufigste Enttäuschung beim Thema Lehmofen selber bauen, nämlich eine Kuppel, die nach dem Trocknen aussieht wie ein trockener Flussboden. Die folgende Anleitung führt vom Fundament bis zum ersten Feuer.

Vorab: drei Entscheidungen

Größe. 60 bis 70 Zentimeter Innendurchmesser reichen für Pizza und ein bis zwei Brote, das ist die Familiengröße. 80 bis 90 Zentimeter sind der Allrounder für Feste und richtige Backtage. Darüber wachsen Aufheizzeit und Holzverbrauch schneller als der Nutzen.

Form. Die Halbkugel ist strömungstechnisch ideal und über einer Sandform am einfachsten zu bauen. Längliche Formen bieten mehr Backfläche, verlangen aber Gefühl im Gewölbe.

Zeitpunkt. Bauen Sie im späten Frühjahr. Warme, trockene Wochen sind die beste Trockenkammer, und bis zum Sommer ist der Ofen eingefeuert. Wer im Herbst anfängt, braucht zwingend ein Dach über der Trocknungsphase.

Material und Werkzeug

  • Fetter Baulehm, etwa 300 bis 500 Kilogramm für eine Kuppel mit 80 Zentimeter Innendurchmesser. Woher, steht unter Lehm kaufen.
  • Scharfer Sand, Körnung 0 bis 2 Millimeter, etwa die zwei- bis dreifache Lehmmenge. Die Kugelprobe legt das genaue Verhältnis fest.
  • Stroh, kurz geschnitten, ein Ballen reicht.
  • Formsand, feucht, rund 0,2 bis 0,3 Kubikmeter für die verlorene Form.
  • Ziegel oder Schamotteplatten für die Backfläche, dazu Steine für den Sockel.
  • Nasses Zeitungspapier, Kies, Schaufel, Kelle, Wasserwaage, Mörtelwanne oder Plane, Gummistiefel.
lehmofen bau

lehmofen bau

Welche Lehmqualität für welchen Zweck taugt, klärt der Ratgeber Lehm für den Ofen.

Schritt 1: Standort und Fundament

Halten Sie Abstand zu Hecken, Holzstapeln und Hauswänden. Denken Sie beim Standort schon an das Dach, das später darüber gehört. Ein Punktfundament oder eine Kiesschicht mit Gehwegplatten genügt für kleine Öfen. Zwischen Erdreich und Sockel gehört eine kapillarbrechende Schicht aus Kies oder Folie, sonst zieht Bodenfeuchte nach oben in den Ofen.

Darauf mauern Sie den Sockel auf Arbeitshöhe, 90 bis 110 Zentimeter. Ihr Rücken wird es Ihnen danken, wenn Sie zum zwanzigsten Mal eine Pizza einschießen.

Schritt 2: Die Backfläche

Auf den Sockel kommt zuerst eine Dämmschicht. Klassisch sind 5 bis 8 Zentimeter Leichtlehm oder eine Lage Glasflaschen in Sand gebettet. Das klingt kurios und funktioniert: Die eingeschlossene Luft hält die Hitze oben statt sie in den Sockel abzugeben.

Darüber legen Sie die Backfläche. Vollziegel oder Schamotteplatten, eben ausgerichtet, dicht gestoßen, ohne Mörtel. Diese Fläche speichert die Unterhitze, die aus einem Pizzaboden erst einen Pizzaboden macht.

Schritt 3: Lehm mischen und prüfen

Lehm und Sand werden erdfeucht gemischt, am besten mit den Füßen auf einer Plane. Das ist die traditionelle Methode, weil Füße Klumpen besser finden als jede Maschine, und für Kinder ist es der beste Teil des Projekts. Die Masse soll plastisch sein, nicht schmierig.

Dann die Kugelprobe aus dem ersten Absatz. Krümelt es, mehr Lehm. Klebt es, mehr Sand. Notieren Sie sich das Verhältnis, das funktioniert hat, denn Sie brauchen es für die Reparaturen der nächsten Jahre. Hintergründe zum Verhalten des Materials stehen unter Was ist Lehm?.

Schritt 4: Die Sandkuppel

Auf der Backfläche schütten Sie eine Kuppel aus feuchtem Sand auf. Das ist die Innenform, die später wieder herauskommt. Die Faustregel für die Höhe: 60 bis 75 Prozent des Innendurchmessers. Bei 80 Zentimetern Durchmesser also rund 50 bis 60 Zentimeter Scheitelhöhe. Glätten Sie die Form sorgfältig, jede Delle sitzt später im fertigen Gewölbe.

Zum Schluss die Sandform mit nassem Zeitungspapier abdecken. Es trennt Lehm und Sand und macht das Ausräumen später zur Fleißarbeit statt zur Grabung.

Schritt 5: Die Lehmkuppel

Formen Sie aus der Mischung faustdicke Rollen und setzen Sie sie Lage für Lage um die Sandkuppel, von unten nach oben. Jede Lage wird an die vorige gedrückt, nicht geklebt. Zielstärke der ersten Schicht: 8 bis 10 Zentimeter.

Die Türöffnung sparen Sie aus. Ihre Höhe beträgt etwa 63 Prozent der Kuppelinnenhöhe. Diese Zahl ist keine Folklore, sondern Strömungsphysik: Bei diesem Verhältnis zieht die Flamme sauber durch und der Rauch findet über die Türoberkante hinaus, ohne dass ein Schornstein nötig wäre. Zu hoch, und die Hitze läuft weg. Zu niedrig, und der Ofen qualmt Ihnen ins Gesicht.

Schritt 6: Dämmschicht und Oberfläche

Wenn die erste Schicht angetrocknet ist, folgt eine zweite aus Lehm-Stroh-Gemisch, 5 bis 8 Zentimeter stark. Sie dämmt und verlängert die Zeit, in der Sie backen können. Als Abschluss kommt ein feiner Lehmputz.

Ab hier dürfen Sie gestalten. Ein Ofen aus Lehm ist eine Skulptur, die zufällig backt, und Lehm nimmt jede Form an, solange sie nicht überhängt. Genau hier sind Kinderhände nützlich.

Schritt 7: Ausräumen, trocknen, erstes Feuer

Nach zwei bis vier Tagen schneiden Sie die Türöffnung sauber nach und graben den Formsand heraus. Der Sand ist wiederverwendbar, das Zeitungspapier nicht.

Dann kommt der Teil, an dem die meisten Öfen sterben: das Warten. Je nach Wetter braucht die Kuppel ein bis drei Wochen. Danach folgen mehrere kleine Trockenfeuer, täglich etwas größer, mit einer Handvoll Zweigen beginnend. Wer zu früh richtig einheizt, verdampft das Restwasser schlagartig und sprengt sich die Kuppel von innen auf. Haarrisse dagegen sind harmlos und werden mit Lehmschlämme ausgewischt.

Türsturz und Rauch

Der Gartenbackofen kommt ohne Schornstein aus. Unten strömt Frischluft ein, oben verlässt der Rauch dieselbe Öffnung. Wer es sauberer mag, setzt außen über der Tür einen kleinen Rauchsammler mit kurzem Rohr, dann bleibt die Ofenfront rußfrei. Der Sturz selbst wird als flacher Bogen aus der Lehmmischung geformt oder über einem eingelegten Holzbogen aufgebaut, der beim ersten Feuer verkohlt und als verlorene Schalung dient.

Die Bauanleitung zum Mitnehmen

Auf der Baustelle hilft ein Handy mit lehmigen Fingern wenig. Wir haben die Anleitung deshalb als PDF zusammengefasst: Materialliste zum Abhaken, die Mischungsverhältnisse, die Kugelfallprobe mit Bildern, die Maßtabelle für Kuppelhöhe und Türöffnung sowie den Trocknungsplan für die ersten drei Wochen. Zwei Seiten, zum Ausdrucken und in die Werkzeugkiste legen.

Bauanleitung Lehmofen als PDF anfordern. Sie bekommen sie per Mail, ohne Newsletter-Zwang. Hier anfordern.

Der erste richtige Backtag

Wenn die Trockenfeuer durch sind, planen Sie einen ganzen Nachmittag ein. Heizen Sie zwei bis drei Stunden mit dünn gespaltenem Hartholz, Buche oder Obstholz, und legen Sie regelmäßig nach. Das Feuer startet in der Mitte und wandert später zur Seite.

Woran Sie erkennen, dass es so weit ist: Die Kuppel setzt beim Anheizen innen schwarzen Ruß an. Bei etwa 350 bis 400 Grad verbrennt dieser Ruß, und das Gewölbe wird von oben her wieder hell. Sobald die Decke sauber ist, liegt Pizzatemperatur an. Ein Infrarot-Thermometer nimmt Ihnen beim ersten Mal das Rätselraten ab, 380 bis 430 Grad auf der Backfläche sind das Fenster.

Danach schieben Sie die Glut zur Seite, wischen die Backfläche mit einem feuchten Lappen an einer Stange kurz aus und schießen die erste Pizza ein. Sechzig bis neunzig Sekunden, eine Vierteldrehung nach der Hälfte, fertig. Wie es nach der letzten Pizza weitergeht, mit Brot, Braten und Dörrobst in der fallenden Hitze, steht im Beitrag Pizzaofen aus Lehm.

Die vier häufigsten Fehler

  • Fetter Lehm ohne Magerung. Ergebnis sind Schwindrisse durch die ganze Kuppel. Die Kugelprobe verhindert das in zwei Minuten.
  • Zu früh zu heiß. Der teuerste Fehler und der häufigste. Geduld ist hier Material.
  • Kein Wetterschutz. Ein Winter ohne Dach kostet die Kuppel.
  • Türmaß geraten statt gerechnet. 63 Prozent, nachmessen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert der Bau?

Ein bis zwei Wochenenden für den Bau, dazu ein bis drei Wochen Trocknung, bevor voll eingefeuert wird.

Was kostet der Selbstbau?

Mit gekauftem Baulehm meist 150 bis 500 Euro. Mit Aushub aus der Nachbarschaft und gebrauchten Ziegeln deutlich weniger. Den Vergleich zu Bausatz und Meisterofen zieht der Beitrag Lehmofen kaufen.

Welche Wandstärke braucht die Kuppel?

8 bis 10 Zentimeter massiver Lehm plus 5 bis 8 Zentimeter Leichtlehm. Dünner heizt schneller auf und kühlt schneller aus.

Mein Ofen raucht aus der Tür, was tun?

Meist stimmt das Türverhältnis nicht oder das Holz ist zu feucht. Türhöhe prüfen, trockenes und dünn gespaltenes Holz nehmen, das Feuer vorn starten und dann nach hinten schieben.

Kann man das mit Kindern bauen?

Mischen, stampfen, formen: ja, und zwar mit Begeisterung. Das Einfeuern bleibt Erwachsenensache.

Brauche ich eine Genehmigung?

Ein kleiner Gartenbackofen ohne Schornsteinanschluss ist in der Regel genehmigungsfrei. Fragen Sie im Zweifel bei der Gemeinde nach. Grundsätzliches steht im Lehmofen-Ratgeber.

Wenn aus dem Gartenprojekt mehr wird

Viele fangen mit der Kuppel im Garten an und stellen im zweiten Winter fest, dass sie diese Art Wärme auch im Wohnzimmer wollen. Dann wird aus dem Selbstbau ein Fall für den Fachbetrieb, weil Schornstein, Berechnung und Abnahme dazugehören. Wie das aussieht, steht unter Lehmofen im Wohnzimmer. Fragen beantworten wir unter 07585 2692 oder über Kontakt.