Welcher Lehm für den Ofen? Der Ofenlehm-Ratgeber

Lehm hält Feuer aus. Feuerfest ist er nicht. Dieser Unterschied kostet jedes Jahr Öfen, weil jemand gelesen hat, Lehm sei das Material der alten Meister, und daraufhin einen Feuerraum damit ausgekleidet hat. Nach zwei Wintern sintert die Oberfläche, wird glasig und bröckelt.

Die Frage, welcher Lehm für den Backofen, den Kachelofen oder die Speichermasse taugt, hat deshalb keine pauschale Antwort. Sie hat drei. Hier sind sie, mit den Prüfmethoden, die im Ofenbau seit Generationen benutzt werden.

Was Lehm bei Hitze tatsächlich macht

Luftgetrockneter Lehm übersteht die Temperaturen in einer Backkammer problemlos, also 400 bis 500 Grad. Er speichert dabei, statt zu leiten, und genau das ist seine Aufgabe. Über etwa 800 bis 1.000 Grad, wie sie im Feuerraum moderner Öfen im direkten Flammenkontakt auftreten, beginnt er zu sintern und zu verspröden.

Daraus folgt die Arbeitsteilung, die jeder Ofenbauer kennt. Schamotte, also gebrannter und feuerfester Ton, kleidet den Feuerraum aus. Lehm übernimmt Speichermasse, Setzmörtel, Verfugung und Oberfläche. Beim Gartenbackofen mit seinen 400 Grad reicht die Lehmkuppel dagegen völlig, dort ist Schamotte höchstens für die Backfläche sinnvoll.

 

Fett oder mager: die eine Eigenschaft, auf die es ankommt

Die Fettigkeit beschreibt den Tonanteil. Ton ist Bindemittel und Problemquelle zugleich.

Fetter Lehm hat viel Ton. Er klebt, bindet stark und schwindet beim Trocknen so sehr, dass er pur verarbeitet reißt.

Magerer Lehm hat viel Sand. Er schwindet kaum und bindet schwach, im Extremfall rieselt er.

Die Lösung heißt Magern. Fetter Lehm wird mit scharfem Sand der Körnung 0 bis 2 Millimeter gestreckt, bis die Mischung bindet, ohne zu reißen. Für Ofenkuppeln haben sich Verhältnisse um einen Teil fetten Lehm auf zwei bis drei Teile Sand bewährt. Der genaue Wert hängt vom Lehm ab, deshalb wird er nicht gerechnet, sondern geprüft.

Drei Prüfungen, die Sie selbst machen können

Die Kugelfallprobe. Kugel von Apfelgröße formen, aus Hüfthöhe auf ein Brett fallen lassen. Krümeliger Zerfall heißt zu mager. Ein klebriger Fladen heißt zu fett. Leicht eingedellt und rissfrei ist richtig.

Die Rollprobe. Feuchte Probe zu einer bleistiftdünnen Wurst rollen. Lässt sie sich zum Ring biegen, ohne zu brechen, ist der Tonanteil hoch. Bricht sie beim Rollen, ist die Probe sandig.

Die Reibeprobe. Zwischen den Fingern verrieben fühlt sich Ton seifig an, Schluff mehlig, Sand kratzt hörbar. Drei Sekunden, und Sie wissen, womit Sie es zu tun haben.

Was in Lehm steckt und warum diese Proben funktionieren, erklärt der Beitrag Lehm und Ton im Vergleich.

Der richtige Lehm je nach Aufgabe

Backofen im Garten

Fetter Grubenlehm oder Baulehm, mit Sand gemagert. Für die zweite, dämmende Schicht kommt Stroh dazu, das ergibt Leichtlehm. Fertig gemischten Backofenlehm gibt es als Sackware, bequem und teurer als die Eigenmischung. Die Verarbeitung steht in der Bauanleitung.

Kachelofen

Zum Setzen und Verfugen von Kacheln dient feiner, fetter Ofenlehm, oft mit Schamottemehl vergütet. Das Schamottemehl verbessert die Temperaturwechselbeständigkeit. Der weiche Mörtel nimmt die Wärmedehnung auf und lässt sich später wieder öffnen, was der Grund ist, warum alte Kachelöfen überhaupt reparabel sind. Wenn Sie Lehm für den Kachelofen kaufen, achten Sie auf die Bezeichnung Ofenlehm oder Ofensetzmörtel auf Lehmbasis.

Speichermasse im Grundofen

Hier zählt Rohdichte, denn Masse speichert. Schwerer Massivlehm oder dichte Lehmsteine liefern die meiste gespeicherte Energie pro Kubikmeter. In modernen Speicheröfen übernehmen zunehmend industriell gefertigte Speichersteine diese Rolle, das Prinzip bleibt dasselbe wie beim Lehmofen im Wohnzimmer.

Warum kein Zement in den Ofen gehört

Bei Reparaturen sehen wir es regelmäßig: Jemand hat einen Riss mit Zementmörtel geschlossen. Das Ergebnis ist absehbar. Zement ist starr und reißt bei der nächsten Wärmedehnung, meist direkt neben der Reparaturstelle. Schlimmer noch, er lässt sich nicht mehr zerstörungsfrei entfernen. Aus einem reparablen Ofen wird so ein Sanierungsfall.

Lehm ist das Gegenteil. Er bindet nur physikalisch, bleibt elastisch und ist mit Wasser jederzeit wieder lösbar. Diese Eigenschaft ist im Ofenbau kein romantisches Argument, sondern der Grund, warum Ofensanierung überhaupt ein Geschäft ist.

Woher Ofenlehm kommt

Drei Wege führen zum Material. Fertiger Ofenlehm als Sackware aus dem Ofen- und Lehmbaufachhandel, aufbereiteter Baulehm vom regionalen Lehmwerk als Big Bag oder Pulver, und der Griff in die Baugrube, wenn der Boden vor Ort tonhaltig genug ist. In Oberschwaben ist das oft der Fall, weil die Eiszeit hier Geschiebelehm hinterlassen hat. Bezugsquellen, Preise und Qualitätskriterien stehen unter Lehm kaufen.

Häufige Fragen

Ist Lehm feuerfest?

Nein. Er ist hitzebeständig bis zu den Temperaturen einer Backkammer. Für direkten Dauerflammenkontakt wird Schamotte verwendet.

Kann ich normalen Baulehm für den Ofen nehmen?

Ja, wenn er fett genug ist und richtig gemagert wird. Die Kugelfallprobe entscheidet.

Was ist der Unterschied zwischen Ofenlehm und normalem Lehm?

Ofenlehm ist feiner aufbereitet, fetter und häufig mit Schamottemehl vergütet, abgestimmt auf Setzen, Verfugen und Temperaturwechsel.

Wie repariere ich Risse im Ofenlehm?

Riss anfeuchten, mit derselben Mischung ausdrücken, glätten. Bei rauchgasführenden Bauteilen sollte ein Fachbetrieb draufschauen.

Wie viel Lehm brauche ich?

Für eine Gartenofen-Kuppel mit 80 Zentimeter Innendurchmesser rechnen Sie mit 300 bis 500 Kilogramm Lehm plus Sand.

Kann ich Lehm mit Zement mischen, um ihn haltbarer zu machen?

Davon raten wir ab. Die Mischung verliert die Reversibilität des Lehms und bekommt trotzdem nicht die Eigenschaften eines Zementmörtels.

Materialfragen? Fragen Sie die, die es täglich anrühren

Ob Sanierung eines alten Kachelofens oder Neubau eines Speicherofens: Wir sagen Ihnen, welcher Aufbau in Ihrem Fall sinnvoll ist, auch wenn die Antwort mal lautet, dass Sie dafür niemanden brauchen. Widmer Ofenbau in Ostrach, erreichbar unter 07585 2692 oder über Kontakt. Den großen Überblick gibt der Lehmofen-Ratgeber.