Lehmputz härtet nicht aus. Er trocknet nur. Wer diesen einen Satz verstanden hat, kann ihn kaum noch falsch verarbeiten, denn daraus folgt fast alles Praktische: Es gibt keine Abbindezeit, unter der man in Panik gerät. Zu trockene Stellen werden angefeuchtet und weiterbearbeitet. Reste bleiben im Eimer brauchbar. Und ein Fehler von gestern lässt sich morgen mit Wasser rückgängig machen.
Deshalb ist Lehmputz der Putz, mit dem Laien am ehesten zu einem guten Ergebnis kommen. Hier stehen Aufbau, Untergründe, Verarbeitung, der Vergleich mit Kalk und die Fehler, die trotzdem passieren.
Was Lehmputz kann
Lehmputz besteht aus Baulehm, Sanden und meist pflanzlichen Fasern wie Stroh. Mehr nicht. Seine wichtigste bauphysikalische Eigenschaft ist die Feuchteaufnahme: Er zieht Feuchtespitzen aus der Raumluft schneller und in größerer Menge als Gips- oder Kalkzementputz und gibt sie später wieder ab.
Praktisch heißt das, dass die Feuchtigkeit einer Nacht im Schlafzimmer in der Wand landet statt am kalten Fensterrahmen. Dazu kommen Geruchsbindung durch die Tonminerale und eine Oberfläche, die Wärme langsamer ableitet und sich deshalb wärmer anfühlt als Gips. Die Materialgrundlagen stehen unter Was ist Lehm?
Der Aufbau in Schichten
Unterputz. Grob, 10 bis 20 Millimeter, meist mit Stroh armiert. Er schafft die ebene, tragfähige Basis. Auf gemischten oder schwierigen Untergründen wird vollflächig ein Armierungsgewebe in die obere Lage eingebettet.
Oberputz. Fein, 2 bis 5 Millimeter, bestimmt die Optik von geglättet bis gefilzt. Farbige Edelputze machen den Anstrich überflüssig, weil die Farbe im Material steckt.
Alternativen. Streich- und Rollputze bringen Lehmstruktur mit der Rolle auf. Lehmfarbe ist die dünnste Variante für bereits glatte Wände und der einfachste Einstieg überhaupt.
Welche Untergründe funktionieren
Lehmputz braucht mechanischen Halt und Saugfähigkeit. Ideal sind raues Mauerwerk, Lehmsteine, Altlehm, Ziegel und Kalkputz. Glatte Flächen wie Beton, Gipskarton oder alte Anstriche brauchen einen Lehm-Haftgrund oder eine aufgespachtelte Haftbrücke.
Nicht geeignet ist Lehmputz im direkten Spritzwasserbereich einer Dusche. In der Fachwerksanierung dagegen ist er erste Wahl, warum, steht unter Lehmhaus und moderner Lehmbau. Im übrigen Bad dagegen ist er hervorragend aufgehoben, weil er genau dort puffert, wo täglich Feuchtespitzen entstehen.
Verarbeitung Schritt für Schritt
- Untergrund prüfen. Tragfähig, staubfrei, saugend? Stark saugende Flächen vornässen.
- Anmischen. Trockenmischung mit Wasser zu geschmeidiger, standfester Konsistenz rühren. Eine kurze Reifezeit verbessert die Verarbeitbarkeit deutlich.
- Unterputz auftragen. Mit Kelle oder Maschine, abziehen, aufrauen. Lehmputz lässt sich gut spritzen, was bei großen Flächen den Unterschied macht.
- Trocknen lassen. Lehm trocknet nur durch Luftwechsel. Lüften ist hier kein Komfort, sondern Teil der Verarbeitung. Je nach Schichtdicke dauert es Tage bis Wochen.
- Oberputz aufziehen. Dünn auftragen, nach dem Anziehen filzen oder glätten.
Lehmputz oder Kalkputz?
Beide sind mineralische Naturputze, und die Entscheidung ist keine Glaubensfrage. Lehm gewinnt bei Feuchteregulierung, Reversibilität und Haptik. Kalk ist alkalisch, wirkt dadurch schimmelhemmend und ist wasserfester, weshalb er in Spritzwasserzonen, Kellern und an Fassaden die richtige Wahl bleibt.
In der Praxis kombiniert man beides. Lehm in den Wohnräumen, Kalk dort, wo es nass wird. Beide beugen Schimmel vor, nur auf verschiedenen Wegen: Kalk chemisch, Lehm dadurch, dass er Oberflächen trocken hält.
Den Ofen verputzen
Auf einem Speicherofen zeigt Lehmputz, wofür er gemacht ist. Er verteilt die Strahlungswärme gleichmäßig, bleibt auf der Ofenbank angenehm zu berühren und nimmt die Dehnbewegungen des Ofens auf, statt abzuplatzen.
Gearbeitet wird mit fettem Ofen- beziehungsweise Setzlehm, in dünnen Lagen, mit Gewebearmierung über allen Materialwechseln. Der Ofen sollte dabei kalt sein. So entstehen die weichen, monolithischen Formen, die im Beitrag Lehmofen im Wohnzimmer beschrieben sind. Welche Ofenarten es überhaupt gibt und wo Lehm dabei jeweils arbeitet, bündelt der Lehmofen-Ratgeber. Auch die Kuppel des selbst gebauten Gartenofens bekommt als Finish einen feinen Lehmputz, siehe Lehmofen selber bauen und Pizzaofen aus Lehm. Welche Qualität dafür taugt, steht unter Lehm für den Ofen.
Die vier häufigsten Fehler
- Zu dicke Lagen. Führt zu Trocknungsrissen. Zwei dünne Schichten schlagen eine dicke.
- Keine Haftbrücke auf glattem Untergrund. Der Putz fällt großflächig ab, oft erst nach Wochen.
- Zu wenig gelüftet. Ohne Luftwechsel trocknet nichts, egal wie warm es im Raum ist.
- Gewebe vergessen. An Materialwechseln und am Ofen ist es Pflicht, nicht Option.
Häufige Fragen zum Lehmputz
Welcher Lehmputz ist der richtige?
Grober Unterputz mit Stroh für den Aufbau, feiner Oberputz für die Oberfläche. Farbige Edelputze ersetzen den Anstrich.
Schimmelt Lehmputz?
Er bietet kaum Nährboden und hält Oberflächen durch Feuchtepufferung trocken. Dauerhaft nasse Bauteile bleiben ein Fall für andere Materialien.
Was kostet Lehmputz?
Materialkosten ab etwa 2 bis 5 Euro pro Quadratmeter beim Unterputz, Edelputze liegen darüber. Sackpreise stehen unter Lehm kaufen.
Kann ich Lehmputz streichen?
Ja, am besten mit diffusionsoffener Lehm- oder Kalkfarbe, damit die Pufferwirkung erhalten bleibt.
Ist Lehmputz abriebfest?
Er ist weicher als Gips oder Zementputz. In stark beanspruchten Fluren empfiehlt sich ein festerer Oberputz oder eine Lehmfarbe als Abschluss.
Wie lange dauert die Trocknung?
Je nach Schichtdicke, Raumtemperatur und Lüftung wenige Tage bis mehrere Wochen. Heizen allein hilft nicht, es braucht Luftaustausch.
Wände, Ofen, Raumklima
Der Unterschied zwischen verputzter und gekachelter Ofenoberfläche ist schwer zu beschreiben und in zehn Sekunden zu begreifen, wenn beide nebeneinander stehen. In der Ausstellung tun sie das. Der Überblick zum Baustoff steht im Lehmbau-Ratgeber.
